Wir schreiben das Jahr 2031. Die Staatengemeinschaft hat sich aufgelöst – Anarchismus überall. Honig und Milch fliessen, Arbeit kennt mensch nur mehr aus der Vergangenheit, Nordic Walking ist verboten und Dosenbier nicht mehr erhältlich (1). Gottlosigkeit überall? Nicht ganz. In der Festung Hohen Salzburg hat sich ein Weihbischof mit seinen Getreuen verschanzt und predigt weiterhin Nächstenliebe und das Verbot der Abtreibung.
Was bisher geschah: Weihbischof Laun haust auf der Festung Hohensalzburg. Er hadert mit seinem Leben, seine Macht ist verloren. Doch das soll sich bald ändern, denn Laun hat einen schrecklichen Plan…
„Eine einzige Fackel! Was war das früher für ein Lichtermeer, in der Kirche, auf der Straße…“ Weihbischof Laun schürzt mit einer Hand seine Kutte auf und hält mit der anderen das Licht so weit wie möglich nach vorn. An den feuchten Wänden hastet sein gespenstischer Schatten hinter ihm die steile Treppe hinunter. Die Stufen sind rutschig, aber der Bischof hat es eilig. Unten im Keller, da wartet die Zukunft! Da gehen Türen auf zu neuen Tagen, wo alles wieder so wird wie es früher war…
Es geht tatsächlich eine Tür auf. Ein verhuschter junger Mann senkt respektvoll den Blick. Seine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern. „Er redet nicht, Hochwürden. Wir haben alles versucht.“ Der alte Mann nickt seinem Untergebenen verzeihend zu. „Überlasst das mir“, spricht er, voll Vertrauen in den Herrn. „Gehe hin mit Gott!“ Der junge Mann schlägt ein Kreuz und zieht sich in die Dunkelheit zurück. Laun betritt das Verlies. Die meisten Zellen sind leer, nur vor einer stehen zwei weitere junge Männer. Der Bischof holt seinen Rosenkranz hervor, an dem auch einige Schlüssel hängen. Während er den richtigen sucht, überdenkt er noch einmal die Lage. „Wie lang sitzt er jetzt hier drin?“, fragt er einen der Wachposten. „Eine Woche.“ Ausgezeichnet… Aus dem Gefängnis schlägt ihm ein bestialischer Gestank entgegen. Laun schlägt die Hände vor den Mund. „Bringt ihn nach oben!“, befiehlt er gepresst. Dann macht er auf dem Absatz kehrt und eilt mit fliegenden Rockschößen davon.
Kurze Zeit später wird im Turmzimmer der Gefangene auf einen Stuhl gesetzt. Es ist ein junger Mensch. Als der Bischof sich ihm nähert, hebt er nur müde den Kopf. Seine Kleider sind bunt, seine Haare kurz. Sein Gesichtsausdruck ist nicht gerade freundlich.
„Du bist also Anarchist?“, fragt der Bischof, um ein Gespräch ins Rollen zu bringen. Keine Antwort, nur die kleine gestreifte Katze lugt interessiert unter dem Tisch hervor. Laun überlegt. Vielleicht erst einmal auf eine persönlichere Art? „Ich bin der Andreas und wie heißt du?“ „Lisa“, sagt der Anarchist. Weihbischof Laun zuckt zurück. „Wie? Aber… du bist doch ein Mann?“ „Ich bin transgender.“ Es entsteht eine längere Stille. Laun überlegt. Er muss seine Taktik ändern. „Also du als Frau…“, beginnt er schließlich wieder. „Transgender!“ „Ja, genau. Also dir kann es doch nicht gefallen, wie die Welt geworden ist. Es gibt keine Weiblichkeit mehr…“ – Ein weiterer Blick auf die Anarchistin lässt ihn stocken. Das soll eine Frau sein? – „und das Morden kleiner unschuldiger Kinder geht ungehindert weiter!“
Irritiert sieht sein Gegenüber ihn an. „Welche Kinder?“ Bestürzt hebt Laun die Hände. „Ich wusste, du kannst nichts davon ahnen! Der Babycaust!“ (1) Bei diesem Wort springt der/die Gefangene auf. „Jetzt hör mal, du blöder alter Mann!“ Der Bischof geht vorsichtshalber einen Schritt zurück. „Darum geht es auch gar nicht! Ich bin mächtig! Wenn du mit mir zusammenarbeitest, mache ich dich zum König – äh zur Königin der Anarchisten!“ Die beiden jungen Männer sind auf das Geschrei herbeigeeilt. Jetzt warten sie auf den Befehl, sich auf den Feind zu stürzen. Die/der AnarchistIn schnaubt durch die Nase und geht zum Fenster. Plötzlich stößt er/sie ein fröhliches Geräusch aus. „Komm mal gucken, Andreas!“, sagt sie/er hämisch. Andreas Laun nähert sich vorsichtig der Luke und späht hinaus. Was er da sieht, lässt ihm kalte Schauer über den Rücken laufen. Draußen steht eine Horde schwarzer Gestalten und starrt zurück. Anarchisten! „Wie haben die herausgefunden, dass wir die Gefangene haben?“, fragt sich der Bischof verzweifelt. Die kleine Katze maunzt amüsiert und springt vom Tisch. Dann läuft sie auf flinken Pfoten davon.
Erst einige Minuten später entdeckt der Gottesmann, warum das Kätzchen so eilig verschwunden ist. Es hat ihm vorher auf den Tisch geschissen.
(1) “Babycaust”- Museum statt Abtreibungsklinik (diestandard.at/1677637)